Politik

Für was steht die AfD?

Für was steht die AfD wirklich? Wir erklären das AfD-Programm zu Migration, Wirtschaft, Energie und Gesellschaft sachlich und kompakt.

Von Inge Höger 8 Min. Lesezeit

für was steht die afd

Für was steht die AfD — diese Frage stellen sich viele Menschen, die das Parteiprogramm jenseits von Schlagzeilen verstehen wollen. Die Alternative für Deutschland, kurz AfD, ist seit 2013 im politischen System Deutschlands präsent und seit 2017 dauerhaft im Bundestag vertreten. Ihre Positionen reichen von wirtschaftsliberalen Ansätzen bis hin zu strikter Migrationsbegrenzung. Dieser Artikel ordnet die Kernpositionen sachlich ein — ohne Vereinfachung, aber auch ohne unnötige Zuspitzung.

Grundlagen: Was will die AfD laut Parteiprogramm?

Die Abkürzung AfD steht für Alternative für Deutschland. Die Partei wurde 2013 ursprünglich von Ökonomen gegründet, die den Euro-Rettungsmaßnahmen kritisch gegenüberstanden. Seitdem hat sie sich programmatisch erheblich gewandelt und mehrere innerparteiliche Richtungskämpfe erlebt — von einer eurokritischen Professorenpartei hin zu einer Partei, die vor allem durch ihre Positionen zu Migration, nationaler Identität und dem Widerstand gegen den politischen Mainstream bekannt ist.

Das Parteiprogramm der AfD wurde zuletzt 2016 als Grundsatzprogramm verabschiedet; für Bundestagswahlen gibt es jeweils angepasste Wahlprogramme. Im Wahlprogramm 2024/2025 finden sich folgende Schwerpunkte:

  • Wirtschafts- und Steuerpolitik: Marktliberalisierung, Abbau von Bürokratie, Ablehnung staatlicher Eingriffe
  • Migrations- und Asylpolitik: Drastische Reduzierung von Zuwanderung, sogenannte „Remigration"
  • Energiepolitik: Rückkehr zur Kernenergie, Ablehnung des Atomausstiegs, Skepsis gegenüber erneuerbaren Energien
  • Europapolitik: Kritik an der EU, Forderung nach Rückkehr zu nationaler Souveränität, in der Vergangenheit auch Forderungen nach einem „Dexit"
  • Gesellschaftspolitik: Traditionelles Familienbild, Ablehnung des Gender-Mainstreams

Das AfD-Programm richtet sich explizit gegen das, was Parteifunktionäre als „Altparteien" bezeichnen — also CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke. Die eigene Positionierung als „Alternative" ist dabei sowohl programmatischer Anspruch als auch kommunikative Strategie.

Wer verstehen möchte, wie die AfD im Kontext anderer Parteien einzuordnen ist, findet auf dieser Seite einen hilfreichen Überblick über Parteien im Wahlsystem.

Wirtschafts- und Sozialpolitik: Die AfD und die Gewerkschaften

Eines der interessantesten Spannungsfelder im AfD-Programm ist die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Auf den ersten Blick sprechen AfD-Vertreter häufig soziale Themen an und werben um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Bei genauerem Hinsehen zeigt das Parteiprogramm jedoch eine andere Richtung.

Wirtschaftsliberal mit nationaler Note

Die AfD befürwortet grundsätzlich freie Märkte, niedrige Steuern und den Abbau staatlicher Regulierung. Sie fordert die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, Steuererleichterungen für Unternehmen und eine strikte Einhaltung der Schuldenbremse. Staatliche Subventionen für als unwirtschaftlich betrachtete Branchen — etwa die Solarenergie — lehnt sie ab.

Gleichzeitig tritt die AfD für eine Stärkung des Mittelstands und kleiner Unternehmen ein, was manchmal als sozialpolitisches Signal verstanden wird. Tatsächlich folgt dies aber einer klassisch liberalen Logik: weniger Staat, mehr Markt.

AfD und Gewerkschaften: ein schwieriges Verhältnis

Die Beziehung zwischen der AfD und den Gewerkschaften ist von gegenseitiger Ablehnung geprägt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich mehrfach klar gegen die AfD positioniert — zuletzt mit der Einschätzung, die AfD sei „der Feind der Beschäftigten."

Konkret: Im AfD-Programm finden sich Positionen, die das kollektive Arbeitsrecht schwächen würden. Die Partei steht dem Streikrecht skeptisch gegenüber und hat sich gegen Tarifverträge positioniert, die als zu starr oder wirtschaftsfeindlich gelten. Der Mindestlohn wird zwar nicht offen abgelehnt, aber seine Erhöhungen werden kritisch begleitet.

Wer sich für die ökonomischen Grundlagen dieser Debatte interessiert, findet auf dieser Seite weiterführende Informationen zur Arbeitsmarktpolitik der Parteien.

Migration und Remigration: Standpunkte zur Zuwanderung

Kein Thema prägt das öffentliche Bild der AfD mehr als die Migrationspolitik. Wer wissen will, für was die AfD wirklich steht, kommt an diesem Themenfeld nicht vorbei.

Die Forderung nach „Remigration"

Das Schlagwort „Remigration" bezeichnet im AfD-Kontext die staatlich organisierte Rückführung von Migrantinnen und Migranten in ihre Herkunftsländer — und zwar nicht nur abgelehnter Asylbewerber, sondern nach Vorstellung mancher AfD-Vertreter auch von Menschen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht oder sogar deutscher Staatsbürgerschaft mit Migrationshintergrund. Diese Forderung ist nicht nur juristisch höchst problematisch, sondern wurde auch innerhalb der Partei unterschiedlich weit gefasst.

Das offizielle Parteiprogramm fordert:

  1. Die vollständige Schließung der EU-Außengrenzen für irreguläre Migration
  2. Konsequente Abschiebungen auch in Länder, die bisher als unsicher gelten
  3. Ein Ende des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte
  4. Die Abschaffung des Staatsangehörigkeitsrechts für in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern

Diese Positionen gehen weit über das hinaus, was andere Parteien im rechten Spektrum bisher gefordert haben. Der Verfassungsschutz beobachtet Teile der Partei, insbesondere den sogenannten „Flügel", als gesichert rechtsextrem.

Asylrecht und internationale Verpflichtungen

Die AfD fordert zudem eine Einschränkung des Grundrechts auf Asyl (Art. 16a GG) und eine Kündigung der Genfer Flüchtlingskonvention — ein Schritt, der Deutschland international isolieren würde. Hintergrundinformationen dazu, was Migration bedeutet und welche Dimensionen sie hat, bietet der Artikel Standpunkte zur Migration auf dieser Seite.

Energie und Klima: Positionen zur Umweltpolitik

Die AfD ist die einzige Partei im Deutschen Bundestag, die den menschengemachten Klimawandel in ihrer Programmatik systematisch infrage stellt oder dessen Bedeutung relativiert. Im Wahlprogramm 2024 heißt es sinngemäß, dass CO₂ kein Schadstoff sei und die Klimapolitik der Bundesregierung auf wissenschaftlich zweifelhaften Grundlagen beruhe.

Kernpunkte der AfD-Energiepolitik

  • Rückkehr zur Kernenergie: Die AfD fordert den Rückbaustopp der verbliebenen Kernkraftwerke und eine Wiederinbetriebnahme der 2023 abgeschalteten Anlagen. Langfristig sollen neue Reaktoren der vierten Generation gebaut werden.
  • Ablehnung der Energiewende: Windkraft- und Solaranlagen gelten der AfD als unzuverlässig und subventionsabhängig. Die Partei fordert deren schrittweisen Abbau und eine Rückkehr zu fossilen Trägern wie Gas und Kohle.
  • Ende des CO₂-Handels: Das EU-Emissionshandelssystem soll abgeschafft werden, da es nach AfD-Sicht die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schädigt.
  • Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen: Die AfD hat sich in verschiedenen Anträgen für einen deutschen Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgesprochen.

Laut Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach (2023) befürworten rund 72 % der deutschen Bevölkerung den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien — eine klare Gegenmeinung zur AfD-Programmatik in diesem Bereich.

Diese Positionen machen die AfD zum einzigen relevanten politischen Akteur in Deutschland, der sich offen gegen die wissenschaftlichen Grundlagen der Klimapolitik stellt. Das unterscheidet sie von konservativkritischen Stimmen innerhalb der CDU, die ebenfalls das Tempo der Energiewende kritisieren, aber nicht deren Grundlagen ablehnen.

Gesellschaftspolitik und nationale Identität

Neben den bereits genannten Themen verfolgt die AfD ein klar konservatives bis nationalkonservatives Gesellschaftsbild. Die Kernelemente:

  • Familie und Geschlechterrollen: Die AfD lehnt Gender-Mainstreaming, das Gendern in der Sprache und die gleichgeschlechtliche Ehe ab. Sie tritt für ein traditionelles Familienmodell mit Mutter, Vater und Kindern ein und fordert Anreize, damit Frauen zu Hause bleiben und Kinder erziehen.
  • Bildung: Bildungspolitisch setzt die AfD auf Leistungsprinzip und Ablehnung inklusiver Schulmodelle. Sie befürwortet eine stärkere Trennung nach Leistung bereits in der Grundschule.
  • Nationale Identität: Die AfD betont eine „leitkulturliche" Orientierung und lehnt multikulturelle Gesellschaftsmodelle ab. Der Islam wird in Teilen des Programms explizit als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar bezeichnet.

Diese Positionen erklären, warum der Verfassungsschutz verschiedene Landesverbände und den Gesamtverband beobachtet: Teile der Partei bewegen sich nach Einschätzung der Behörden an der Grenze oder jenseits des demokratischen Verfassungsbogens.

Fazit: Für was steht die AfD kurzgefasst?

Wer wissen will, für was die AfD einfach erklärt steht, kann folgende Kernpunkte festhalten:

Wichtig beim Einordnen: Das AfD-Programm ist kein monolithisches Dokument. Je nach Landesverband, Kandidatin oder Kandidat können Akzente stark variieren. Der rhetorische Populismus ist Strategie — wer die Partei einordnen will, sollte das Programm lesen, nicht nur die Wahlkampfauftritte.

Die AfD für was sie steht lässt sich nicht auf einen einzigen Nenner bringen — aber die Programmatik zeigt eine konsistente Richtung: nationalistisch, migrationskritisch, klimaskeptisch und sozial eher marktliberal als arbeitnehmerfreundlich.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Für was steht die AfD einfach erklärt?
Die AfD steht für drastische Reduzierung von Zuwanderung, Marktliberalismus, Ablehnung der Energiewende und ein traditionell-konservatives Gesellschaftsbild. Sie positioniert sich als Alternative zu den etablierten Parteien und betont nationale Souveränität.
Was will die AfD beim Thema Migration?
Die AfD fordert die vollständige Schließung der EU-Außengrenzen für irreguläre Migration, konsequente Abschiebungen und sogenannte ‘Remigration’ — also die Rückführung bereits in Deutschland lebender Menschen mit Migrationshintergrund. Sie will zudem das Grundrecht auf Asyl einschränken.
Welche Position vertritt die AfD in der Wirtschaftspolitik?
Wirtschaftspolitisch verfolgt die AfD einen marktliberalen Kurs: niedrige Steuern, weniger Regulierung, Einhaltung der Schuldenbremse. Gewerkschaftliche Rechte wie Tarifautonomie und Streikrecht sieht die Partei skeptisch. Der DGB bezeichnet die AfD als ‘Feind der Beschäftigten’.
Für was steht die Abkürzung AfD?
AfD steht für ‘Alternative für Deutschland’. Die Partei wurde 2013 gegründet, zunächst mit einem eurokritischen Fokus, und entwickelte sich seitdem zu einer nationalistisch-populistischen Partei mit Schwerpunkten auf Migration, nationaler Identität und Widerstand gegen den politischen Mainstream.
Für was steht die AfD 2024 konkret?
Im Wahlprogramm 2024/2025 fordert die AfD konkret: Rückkehr zur Kernenergie, Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, Remigration, Abschaffung des CO₂-Handels, Steuersenkungen und einen Stopp des Familiennachzugs. Teile der Partei werden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Wie positioniert sich die AfD gegenüber Gewerkschaften?
Die AfD steht Gewerkschaften und kollektiven Arbeitnehmerrechten skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie kritisiert Tarifverträge als wirtschaftsfeindlich und hat das Streikrecht in der Vergangenheit eingeschränkt sehen wollen. Der DGB hat sich deshalb klar gegen die AfD positioniert.